Klassenkrieg

 

  1. Es herrscht Klassenkrieg.
    Meine Klasse, die Klasse der Reichen,
    beansprucht den Sieg.
    Die für uns Arbeitenden liefern die Leichen.
  1. Wir haben Hände in allen Taschen der Welt.
    Was uns in die Klauen fällt,
    Seltene Erden, Getreide, Arbeitskraft,
    was Mehrwert schafft – alles wird Geld, bares Geld!
  2. Wo Riesenschiffe Meere leer fischen,
    haben wir unsere Finger dazwischen.
    Wo Blau-Helm-Soldaten Attacken blasen
    Lancieren wir Friedensphrasen
  3. Wenn in Indiens Fabriken, an Straßenecken
    Arbeiterinnen und Kinder verrecken,
    ist Sentimentalität gefragt,
    denn sonst werden wir angeklagt.
  4. Natürlich: Wir fühlen mit ihnen
    unter Wetterlawinen, Fukushimas Ruinen.
    Denn sie müssen uns dienen
    an unseren Maschinen, unseren Turbinen,
    in unseren Minen damit wir verdienen!
  5. Unser Geld darf nicht verrosten.
    Ob Krieg im Fernen oder Nahen Osten
    ist uns nicht egal! Wir sind auf dem Posten,
    wir investieren, vor, im, nach dem Krieg allemal
    überschüssiges Kapital!
  6. Wir haben Hände in allen Taschen der Welt.
    Zu wenig? Ha! Wir haben zu viel von dem Geld.
    Wir wissen nicht mehr wohin mit dem Zaster:
    Das ist das Laster. Es heißt: Überakkumulation.
    Vagabundierendes Kapital sucht fieberhaft
    Scheu wie ein Reh: Derivate– Macht im Staate!
  7. Wo Staatshaushalte zusammenkrachen
    Können wir nur lachen: Wir sind froh.
    Wir verdienen – so oder so!
    Ihre Kredite sind unsre Profite.
    Rettungsschirme – Staaten ohne Geld?
    Ha! Wir sind die Herren der Welt!
  8. Ja, überlegen Sie einmal:
    500 sind wir nur, eine kleine Zahl.
    Die 500 größten Weltmonopole
    Verfügen über die Hälfte der gesamten Kohle,
    also genau ausgedrückt: Weltsozialprodukt.
    Wir haben Hände in allen Taschen der Welt!
  9. So lang Dollar-Bilanzen tanzen: Demokratie!
    Mao zum Schein auf dem Schein: Renminbi!
    So lang die Rubel rollen: Friiieden!
    Im Osten, im Westen, Norden und Süden.
  10. So lange wir herrschen auf Erden
    heißt es: Fressen oder gefressen werden!
    Im Mittelpunkt unseres Strebens steh´n:
    zwei Worte nur: Mensch und Natur.

Text: karl nümmes, Erich Weinert, Warren Buffet